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| Dienstag, 16. Juni 2009 / Tuesday, June 16, 2009 4 Tage nach dem Biß / 4 days after the bite |
Freitag, 26. Juni 2009 / Friday, June 26, 2009 2 Wochen nach dem Biß / 2 weeks after the bite |
Biß einer Sandviper (Hornotter) Bite of a Horned Viper in Northern part of Austria (short English abstract)
Am Abend hatte ich leichte Schmerzen und sah an der Bißstelle eine etwa 5 cm im Durchmesser messende Kreisrunde Stelle welche gerötet und etwa im Zentrum leicht bläulich war. Ich dachte mir immer noch nichts Böses dabei. Kann ja auch ein Insekt gewesen sein, vielleicht eine Zecke oder Wespe (obwohl der Stich/Biß selber ja nicht schmerzte!)
Am Samstag war die Stelle schon wesentlich größer und dünkler, sah aus wie ein Bluterguß welcher allerdings im Zentrum dunkel wurde. Samstag abend war ich im Spital wo mir der diensthabende Turnusarzt Fenistil Gel gegen Juckreiz nach Insektenstichen verschrieb.
Am Sonntag fingen die ärgeren Beschwerden, die Schmerzen und die Übelkeit an, und meine Mutter gab mir Topfenwickel gegen die beginnenden Ödeme am Unterschenkel. Jett war bereits der halbe Unterschenkel violett-blauschwarz und der bei Hämatomen normalerweise bereits nach ein paar Tagen sichtbare Zersetzungsprozeß des Blutes war nicht erkennbar.
Am Montag waren die Schmerzen und die Übelkeit fast unerträglich und ich bekam Fieber (38°C), welches ich mit Novalgin Tabletten unterdrückte.
Am Dienstag abend war ich wieder im Spital, hatte wegen dem Novalgin aber kein Fieber mehr. Man nahm mir Entzündungsparameter ab welche nur eine leichte Erhöhung ergaben, ich bekam also keine Antibiotika sondern nur eine heparinhältige Salbe zur Verteilung und Auflösung des "Blutergusses". Da ich Atembeschwerden hatte und nicht flach liegen konnte (ich mußte im Bett fast sitzend schlafen!) horchte mich die Turnusärztin kurz ab und fand aber weder Wasser in der Lunge noch mit dem Herzen Probleme, also wurde meiner Bitte nach einem EKG auch nicht nachgekommen. Statt dessen bekam ich einen Eiswickel auf die Bißstelle um das "Hämatom" zu stillen.
Am Mittwoch wurden die Beschwerden (Schmerzen, Übelkeit, Atemnot, Rastlosigkeit, unklares Sehen, Schwindel, Koordinationsstörungen) etwas besser, wohl auch dank des Novalgins, und ich war nicht mehr die ganze Zeit im Bett.
Donnerstag (18. Juni) abend war ich wieder im Spital und bekam auf einmal starke Blähungen und plötzlich überraschend einsetzenden heftigen mehrmaligen Durchfall was mir ziemlich peinlich war weil ich mir Spitalskleidung ausleihen mußte.
Am Freitag ging es mir nach der gestrigen Durchfall-Reinigung wieder soweit gut daß ich nach Wien ins Theater fahren konnte. Nur länger gehen war eine Qual wegen körperlicher Erschöpfung.
Ab dem Samstag 20. Juni ging es stetig körperlich bergauf und die Läsion wurde immer heller. Am Montag hatte ich Fußreflexzonentherapie (was sehr interessant war zu beobachten wie der Körper auf die leichten Stimuli der Therapeutin reagierte), am Mittwoch Fußpflege und am Donnerstag wieder Fußreflexzonentherapie.
Am Mittwoch 24. Juni war das erste nekrotische Gewebe in Form von Hautablösung an den Einbißstellen zu sehen, es waren zwei Bißpaare. Die Giftzähne der Schlange müssen eng beinander gewesen sein, vielleicht 6-7 mm.
Donnerstag und Freitag löste sich weitere Haut um die Bißstellen ab, siehe oberes rechtes Photo.
Heute ist Sonntag, 28. Juni. Die Haut hat fast wieder die normale Farbe und der Unterschenkel ist nicht mehr so geschwollen/ödematös. Seit drei Tagen habe ich allerdings am rechten Bein Muskelbeschwerden welche vor allem beim Heben des Beines bei gleichzeitiger Außenrotation auftreten. Das Zentrum dürfte in der Leistengegend (Venenstern + dazugehörende Lymphknoten) sein. Ich gehe mir allerdings schon leichter und die neurologischen Symptome sind auch viel besser.
Falls Sie Fragen zur Symptomatik etc haben ersuche ich um Zuschrift unter magnussa@magnussa.com .
Ich habe dies alles veröffentlicht weil ich auf dem Internet und in Fachbüchern kaum relevante Beschreibungen der Symptomatik und des Heilungsprozesses bei Sandvipernbissen (Hornotternbissen) gefunden habe und dachte, daß es vielleicht hilfreich sein könnte.
Es steht zwar auf einer Internetseite über Sandvipern daß man diese Schlangen in Österreich nur in Kärnten und in der Südsteiermark findet, aber das stimmt nicht. Wir haben sie schon voriges Jahr in unserem Garten (Enzersfeld, NÖ) gesehen und ein Bekannter hat etliche Exemplare in Niederkreuzstetten angetroffen. Verwechslung mit anderen Schlangen ist nicht möglich weil das Horn auf der Schnauze und die Zeichnung am Rücken unverwechselbar sind.
Meine Symptomatik stimmt auch größtenteils mit den Beschreibungen in der Fachliteratur überein (nachgelesen am 21. Juni).
Elisabeth Frauendorfer, PhD
Updates:
Dienstag, 30. Juni 2009:
Sporadische heftige Schmerzen beim Heben und
Außenrotieren des rechten Beines. Werden wohl die tiefliegenden
Lymphknoten sein weil die oberflächlichen nicht vergrößert sind. Untere
Hälfte des rechten Unterschenkels enthält noch gestautes Wasser
(Ödeme). Bein ist auch sehr schwer. 2 Novalgin Tabletten helfen
kaum, auch nicht hochlagern, Massage, und Hitzebehandlung (zur Erweiterung der
Lymphgefäße) unter der Dusche.
Mitte Juli:
Vermehrt Hautunreinheiten vor allem im Gesicht, wird von Tag zu Tag
ärger.
Ödeme der unteren Hälfte des rechten Unterschenkels, um die Bißstelle herum
bis etwas über die Mitte des Unterschenkels reichend. Hatte auch
Atemprobeme vor allem im Liegen aber auch wenn ich mich körperlich etwas
anstrenge, und entwickelte einen Spitzbauch der auch auf meine Lunge und das
Herz drückte. Konnte kaum etwas essen weil mir schon nach wenigen Bissen
übel wurde.
Am Freitag 17. Juli bekam ich bei unserem Hausarzt Dr. Sedmik ein EKG welches
bis auf eine Linksherzbelastung relativ normal war.
Am Montag 20. Juli fuhr ich nach Wien ins Labor zur Blut- und
Harnuntersuchung. Das Ergebnis inkl. Blutsenkung war relativ normal, bis
auf eine Nierenbelastung und ein stark erhöhtes Gamma-GT.
Am Dienstag 21. Juli ließ ich mich röntgenisieren und bekam auch
Ultraschalluntersuchungen. Ergebnis war katastrophal: massives
Pleuraödem und stark vergrößertes Herz welches bis an den linken Thoraxrand
heranreicht. Auch sonst im Körper und in den Organen Ödeme, und Aszites
im Bauchraum.
Der Leiter des Röntgeninstitutes, Prim. Dr. Frank, sprach von akuter
Lebensgefahr und mein Hausarzt Dr. Sedmik (den Prim. Dr. Frank anrief) stimmte
ihm zu und sagte auch, daß die Blutdrucktabletten geändert
gehören. Ich vereinbarte einen Termin mit dem Herzspezialisten Dr.
Albrecht vom AKH, aber der nächste verfügbare Termin ist erst am 6.
August. Muß also bis dahin körperlich leiser treten und mich soweit wie
möglich schonen.
Es trat auch eine hochgradige Pylorusstenose im Magen auf welche das Essen von normalen Mengen unmöglich machte. Nahm 6 kg an Körpergewicht ab.
Ein indischer Bekannter von mir welcher in einem Dorf aufgewachsen ist und dessen Eltern drei- bis viermal im Monat Kobras entfernen mußten, sagte mir daß die Dunkelfärbung der Haut auf ein starkes Gift schließen läßt. Und die generalisierten Ödeme (Bein, Unter- und Oberbauch, Rumpf, Pleuraerguß, möglicher Pericarderguß etc) ein Zeichen dafür ist, daß das Gift in den übrigen Körper eingedrungen ist (weil es nicht biochemisch abgebaut werden kann) und Unheil anrichtet (es ist ein Hämotoxin, Neurotoxin und Kardiotoxin), und daß das gefährlich ist.
Für Donnerstag mittag ist eine Pleurapunktion geplant. Eine Ultraschallkontrolle ergab am Samstag 25. Juli, daß mindestens 1,5 Liter aus der Pleura abgepumpt werden müssen. Dann wird es mir mit dem Herzen (sehr stark dilatiert, möglicher Pleuraerguß) hoffentlich auch wieder besser gehen.
Am Donnerstag 30. Juli bekam ich die Pleurapunktion durch Doz. X. Es wurden rechts 1,7 Liter Flüssigkeit drainiert. Ein Röntgen danach ergab, daß sich rechts noch etwa 4 Querfinger hoch Flüssigkeit in der Pleura befinden, und links auch noch geringere Mengen.
Durch meinen reduzierten Appetit (Pylorusstenose durch das Neurotoxin) und die Pleurapunktion habe ich seit dem Biß etwa 10 kg Körpergewicht abgenommen. Wiege jetzt 72 kg bei 167 cm Körpergröße, es sind aber noch immer Ödeme im Körper. Meine Harnmenge hat sich auch reduziert.
Literatur:
http://www.goruma.de/Wissen/Schlangen/Sandviper.html
Lexikon der Pflanzen- und Tiergifte, Daunderer, Nikol Verlag Hamburg, ISBN 3-933203-41-4, Seite 272 Tabelle, Sandotter (Vipera ammodytes)
Beschreibung im oben erwähnten Lexikon:
Name: Sandotter (Vipera ammodytes)
Vorkommen: Jugoslawien, Österreich, Italien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Algerien
Toxin: Protein (Viperotoxin), Peptide, Enzyme
Giftwirkung: hämatotoxisch, kardiotoxisch, neurotoxisch
Symptome: Biß nicht schmerzhaft, Schwellung, Rötung, Lymphknotenschwellung; Tachyarrhythmie, Hyperventilation; gelangt Gift in die Blutbahn, Tod durch Hirnödem oder Atemlähmung.
Antiserum: ja
Körperlänge: bis 100 cm
Besonderheiten: Horn auf der Schnauzenspitze; schwimmt gut und gerne; Unfälle mit Badenden bekannt; Biß meist blutend, Bißmarke im Abstand von 6 mm.
Bite of a Horned Viper in Northern part of Austria
The snakebites happened in the Lower Austria North of Vienna, in our garden while harvesting raspberries. I was dressed with sport shoes, socks and long legged blue jeans. The location of the bites was just above the inner ankle of the leg (see photos). There was no pain at first but gradually swelling of the right lower limb, redviolet-black discoloration of the skin because of the venom, and eventually strong pain and fever developed. There was no proper medical treatment as venomous snake bites seem to be not common in Austria. I took Novalgin (Metamizol) to suppress the pain, and got an old home-remedy (layers of cotton cheese) to reduce the swelling. Almost a week after the bites a severe diarrhea discharged venom from my system and from then onwards recovery was in progress.
A month after the snakebite a generalized edema in the bitten leg and the thorax (pleura, heart, lien/spleen, other organs) and a pylorusstenosis (stomach) was discovered via ultrasound and x-ray exam, and a punction and drainage of the pleura scheduled.
The Horned Viper is the most poisonous snake in Europe and if the venom gets directly into the bloodstream then death might occur. Luckily, the snake bites were just into the muscle tissues of the distal part of the inner lower leg/calf. The venom is a haemotoxin, neurotoxin and cardiotoxin.